Hantavirus-Infektion auf einem Kreuzfahrtschiff
Auf einem Kreuzfahrtschiff, das unter holländischer Flagge mit 147 Passagieren von Ushuaia, Argentinien, über den Südatlantik nach den Kapverden unterwegs war, traten 7 Erkrankungsfälle auf, davon wurden zwei Erkrankungen als Hantavirusinfektion diagnostiziert, die übrigen fünf als Verdachtsfälle benannt. Drei Erkrankte starben. Aktuell ist ein Patient kritisch erkrankt, die anderen haben milde Symptome.
Hantaviren kommen weltweit vor. Es gibt auf den verschiedenen Kontinenten verschiedene Viren, die unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen.
In Europa, auch bei uns, kommt z.B. das Pumaala-Virus vor, das vor allem von der Rötelmaus übertragen wird, die bei uns gerne im Winter in Gartenhäuschen überwintert.
In Nordamerika und Brasilien kommen das Sin Nombre- und das Seoul-Virus vor, in Südamerika das Andesvirus. Das Andesvirus wird von der langschwänzigen Zwergreisratte übertragen und kommt in der Natur in besonderen Biotopen, auch in Patagonien, vor. Auch diese Ratte dringt gerne in einfache Unterkünfte ein auf der Suche nach Essbarem. Alle Nagetiere hinterlassen dabei ihre Exkremente (Kot, Urin), der vertrocknet. In ihm befinden sich die Viren ebenso wie im Speichel. Durch Einatmen des vertrockneten Staubs und durch Aufnahme angenagter Speisen werden die Viren übertragen. Nur beim Andesvirus wird eine Übertragung von Mensch zu Mensch als sehr selten, aber als unüblich genannt - ein Übertragungsweg ist nicht bekannt. Die anderen Viren werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Wie genauere Nachfragen ergaben, sind die beiden Erkrankten, die eine laborbestätigte Hantavirusinfektion mit dem Andesvirus auf dem Schiff hatten, zuvor in Südamerika gereist, bevor sie das Schiff bestiegen. Bei den anderen Erkrankten ist nicht bekannt, ob sie zuvor in Südamerika unterwegs waren.
Die Inkubationszeit beträgt 1-6 Wochen. Das Andesvirus verursacht eine Lungenentzündung, die rasch sehr schwer werden kann.
Vorbeugung:
Für die Reisenden auf dem betroffenen Schiff wird empfohlen, sich von den erkrankten Reisenden fernzuhalten. Konsequenzen für den Reiseverkehr entstehen durch dieses Ereignis nicht.
Grundsätzlich besteht ein Infektionsrisiko bei Übernachtung in sehr einfachen Unterkünften, in die Nagetiere eingedrungen sind und ihren Kot/Urin hinterlassen haben, auch beim Zelten in den Biotopen dieser Nagetiere. Am besten übernachtet man nicht in solchen Unterkünften.
Möchte man die Unterkunft reinigen, sollte man dies nur mit Mund-Nasen-Schutz z.B. FFP2-Maske und Handschuhen durchführen und nass, um den Staub zu binden. Mäusekadaver und Exkremente sollten vor der Entsorgung mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel benetzt werden Das gilt auch für die Gartenhäuschen in Europa, in die Nagetiere eingedrungen sind.
Stand: 05. Mai 2026
Quelle: DTG EpiAlert 05.05.2026, RKI Hantavirus-Infektion 13.11.2020