Gifttiere

Vorkommen, Gefahren und Verhaltensregeln bei Kontakt oder Verletzung

Gifttiere kommen weltweit vor. Zu Ihnen gehören nicht nur Schlangen, Spinnen und Skorpione, sondern auch giftige Meerestiere und zahlreiche Insekten wie Bienen, Wespen, Hornissen, Hummeln, Käfer u.a. Es gibt Gifttiere, die den Menschen verletzen und dabei mit Hilfe eines Stachels, ihrer Mundwerkzeuge oder der Zähne das Gift einspritzen. Andere Gifttiere speichern in Ihrem Körper Gifte und sind dadurch für den Menschen nur dann giftig, wenn er sie verzehrt.
Obwohl Gifttiere weit verbreitet sind und vor allem in den tropischen Ländern vorkommen, werden Reisende selten durch sie verletzt.
Betroffen von Verletzungen und auch tödlichen Vergiftungen sind in den tropischen Ländern in erster Linie die Einheimischen, beispielsweise bei der Arbeit in den Reisfeldern. Grundsätzlich sollten Reisende sich darüber informieren, mit welchen Gifttieren sie es in Ihrem Reiseland zu tun haben.

Bienen, Wespen, Hornissen, Hummeln, Käfer

Die häufigsten Gifttiere in Europa sind Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln. In etwa 25% der Fälle treten lokal verstärkte allergische Reaktionen an der Stichstelle auf; etwa 3-4% der Bevölkerung entwickeln eine lebensbedrohliche allergische Reaktion (Anaphylaxie) auf das Gift.
Die Beschwerden können von lokaler Schwellung über allgemeine Reaktionen wie Quaddeln, Juckreiz, Übelkeit bis zu Atemnot, Engegefühl, Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit führen.

Tipp:
Gehören Sie zu den Personen, die auf Insektengifte allergisch reagieren, gehört in Ihre Reiseapotheke ein Notfallset gegen Insektengiftallergie: es besteht aus einem Antihistaminikum, einem Cortisonpräparat in Tablettenform (Prednisolon) und einem Adrenalin-Pen.
Vorbeugend kann eine Hyposensibilisierung gegen Insektengifte durchgeführt werden, die je nach Studie in 80-100% erfolgreich ist, allerdings etwas Zeit benötigt. Sprechen Sie Ihren Hausarzt auf diese Möglichkeit an.

Weltweit kommen auch verschiedene Käferarten vor, die bei Berührung mit den Tieren oder Ihren Ausscheidungen zu lokalen Hautreaktionen führen. Manche Käfer fliegen auf die Haut.

Tipp:
Keine Tiere anfassen und, wenn sie auf die Haut fliegen, besser abstreifen als draufschlagen.

Schlangen, Skorpione, Spinnen

Bisse durch Giftschlangen stellen zwar weltweit ein ernstes Problem dar. Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich über 100 000 Menschen an Schlangenbissen, vor allem in Afrika, Asien, Südamerika und Australien. Allerdings wird ein Tourist nur selten eine Giftschlange zu Gesicht bekommen, solange er auf den üblichen Touristenpfaden unterwegs ist. Einige Regionen auf der Welt sind frei von Giftschlangen wie z.B. Madagaskar.

Skorpione sind nach den Schlangen die wichtigsten Gifttiere. Sie kriechen gerne in Kleidungsstücke und Schuhe. Schlüpft man in die Kleidung oder Schuhe und treibt den Skorpion dabei in die Enge, so sticht er mit seinem Stachel am Ende seines Körpers zu. Skorpione mit großen kräftigen Scheren sind meist weniger gefährlich als Skorpione mit kleineren dünnen Scheren.
Spinnen sind zwar meist für den Menschen ungefährlich; einige Arten wie die schwarze Witwe, Bananenspinnen oder Speispinnen rufen jedoch heftige Vergiftungssymptome hervor.

Tipps:
Zur Vermeidung von Biss oder Stichen:
festes Schuhwerk und schützende Kleidung tragen, darauf achten, wohin man greift oder worauf man sich setzt, nachts eine Taschenlampe mitnehmen und Wege und Sitzgelegenheiten ausleuchten, übliche Wege benützen. Wenn man einer Schlange begegnet, sollte man stehen bleiben, nicht angreifen und Abstand halten. Nicht angreifen. Vor dem Ankleiden Kleidung und Schuhe ausschütteln.

Erste Hilfe bei Biss oder Stich:
betroffene Extremität ruhig stellen, möglichst nicht bewegen, die betroffene Person beruhigen, eventuell liegend und möglichst rasch in eine ärztliche Hilfe bringen, Atmung und Kreislauf kontrollieren, ggf. Wiederbelebung durchführen. Armbänder und Ringe sollten abgestreift werden, da die Extremität anschwellen kann.
Auf keinen Fall die Extremität abbinden oder das Gift aus der Bissstelle saugen oder die Bissstellen ein- oder ausschneiden. Auch eine Kühlung oder Erwärmung der Bissstelle ist nicht angesagt.
Die Mitnahme eines Antiserums ist nicht möglich: es müsste gekühlt transportiert werden. Seine Anwendung kann beim Verletzten eine heftige allergische Reaktion (anaphylaktischen Schock) auslösen und gehört daher in die Hand eines Arztes/einer Ärztin.

Meerestiere – Quallen, Giftfische, Kegelschnecken u.a.

Quallen sind Nesseltiere, deren Fangarme mit tausenden Nesselkapseln besetzt sind, die sich bei Berührung entladen. Andere Meerestiere stechen mit einem Stachel und injizieren ein Gift wie der Stachelrochen, der Steinfisch oder das Petermännchen oder schießen ein pfeilartiges Geschoß ab wie die Kegelschnecken, wieder andere haben mit Giftdrüsen ausgestattete Strahlen wie der Rotfeuerfisch.
Auch der Verzehr von Meerestieren kann zu Vergiftungen führen. Manche Fische wie der Kugelfisch sind grundsätzlich giftig. Andere Meerestiere wie manche Raubfische und Muscheln leben von Algen oder Kleinfischen, die Algen als Nahrung aufnehmen. Bei einer starken Vermehrung giftbildender Algen, einer sogenannten Algenblüte, kann es somit zur Ansammlung dieser Algengifte in Fischen und Muscheln und beim Verzehr dieser zur Vergiftung (Ciguatera) kommen. Eine andere Fischvergiftung entsteht durch unsachgemäße Lagerung der Fische.

Tipps:
Informieren Sie sich vor Ort über das Vorkommen von Gifttieren. Beachten Sie entsprechende Warnungen am Strand wie auch bezüglich einer Algenblüte. Baden Sie dort, wo die Einheimischen baden oder Ihr Hotel das Baden empfiehlt und tragen Sie Badeschuhe und bei Vorkommen von Quallen Neopren- oder Lycraanzüge (stinger suit). Fassen Sie nichts an.

Eine Vergiftung durch den Verzehr von Meerestieren kann man nur dadurch sicher vermeiden, dass man auf den Verzehr verzichtet. Bei Ciguatera sieht man dem Fisch nicht an, ob er giftig ist und das Gift wird auch nicht durch Erhitzen zerstört. Auch eine unsachgemäße Lagerung kann man nicht beurteilen, wenn man den Fisch nicht selbst zubereitet. Krabben und Krebse können vor allem im indopazifischen Raum giftig sein.