Reisemedizinische Beratung Freiburg
Dr. med. Rosemarie Mazzola

Coronaviren: 2019-nCoV, SARS, MERS-CoV

Coronaviren sind eine Virusfamilie innerhalb der Ordnung Nidovirales. Zu ihnen gehören eine Reihe unterschiedlichster Krankheitserreger. Sie verursachen bei Säugetieren, Nagern und Vögeln ganz unterschiedliche Erkrankungen. Nur wenige der Coronaviren können auch Menschen infizieren. Auch manche typischen grippalen Infektionen werden durch Coronaviren verursacht. Coronaviren sind schon seit den 1960er Jahren bekannt und die Erkrankungen bei Menschen meist nicht sehr schwer.

SARS

2002 trat dann in China das SARS-Virus auf und verursachte weltweit ca. 1000 Todesfälle. SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) führt zu hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Hals-, Glieder- und Muskelschmerzen und zu einer atypischen Lungenentzündung. Die Inkubationszeit beträgt 2-14 Tage; die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Die Entstehung des SARS-Virus ist nicht geklärt: die Infektion trat erstmals in China auf, möglicherweise durch den Verzehr von katzenartigen Raubtieren oder durch Mutation eines bereits vorkommenden Coronavirus. Seit 2004 ist kein weiterer SARS-Fall bekannt.

MERS-CoV

Im Sommer 2012 trat erneut ein bis dahin unbekanntes Coronavirus auf, das im Nahen und Mittleren Osten, vor allem in Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Katar eine schwere Infektion der Atemwege mit Lungenentzündung auslöste: das MERS-CoV (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus). Die Übertragung erfolgt wahrscheinlich in erster Linie durch Kontakt mit Dromedaren/Kamelen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, erfordert aber einen engen Kontakt zu Erkrankten – ein wichtiger Unterschied zu SARS. Die Inkubationszeit beträgt 3-14 Tage. Es kommt zu einer grippeähnlichen Symptomatik, die in eine Lungenentzündung übergehen und zu einem akuten Atemnotsyndrom führen kann. Auch heute, im Januar 2020, löst dieses Virus immer wieder schwere Infektionen aus, bleibt aber überwiegend auf den arabischen Kontinent, insbesondere Saudi-Arabien, beschränkt.

2019-nCoV

Im Dezember 2019 trat nun wieder ein neues Coronavirus in China in der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei auf. Der Ausbruch wurde zunächst mit einem Markt für Meeresfrüchte in Verbindung gebracht, auf dem auch andere Tiere wie Schleichkatzen verkauft wurden. Der Markt wurde Ende Dezember 2019 geschlossen und desinfiziert. Dennoch verbreitete sich die Infektion in Wuhan sowie in anderen Regionen Chinas sehr rasch; exportierte Fälle treten inzwischen in vielen Ländern auf, u.a. in Thailand, Japan, Südkorea, Taiwan, Macau, USA, Hongkong, Singapur, Vietnam und Saudi-Arabien, erste Fälle auch in Europa. Chinesische Wissenschaftler haben das Genom des neuen Coronavirus rasch entschlüsselt und eine genetische Verwandtschaft mit dem SARS-Virus festgestellt. Dementsprechend umfangreich sind die Vorsorge- und Quarantänemaßnahmen. Mittels einer rasch entwickelten PCR kann das Virus nachgewiesen werden.

Die Inkubationszeit beträgt wahrscheinlich wie bei den anderen Coronaviren 2-10 Tage; eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch ist möglich, eventuell auch in der Inkubationszeit, in der der Infizierte noch keine Symptome hat, wahrscheinlich durch Tröpfcheninfektion, auch beim Husten und Niesen. Die Symptome sind grippal mit Fieber, Husten, Halsschmerzen; die Erkrankung verläuft oft mild, kann aber auch zu einem schweren Krankheitsbild mit Atembeschwerden und einer Lungenentzündung führen.

Für Reisende bedeutet dies beim derzeitigen Ausbruch des 2019-nCoV:
Aktuell ändern sich die Empfehlungen der einzelnen Länder sehr rasch. An vielen großen Flughäfen werden verstärkt Überwachungsmaßnahmen durch Temperatur-Screening durchgeführt. Manche Städte wie Wuhan sind unter Quarantäne gesetzt, manche Länder haben Ihre Einreisemöglichkeiten stark eingeschränkt. Viele Länder, so auch das Auswärtige Amt und die USA raten von nicht dringlichen Reisen nach Wuhan und in betroffenen Regionen ab. Die WHO sieht noch keinen Grund, den Gesundheitsnotstand (public health emergencies of international concern (PHEIC)) auszurufen.

Maßnahmen zur Hygiene und Händedesinfektion sollten sorgfältig beachtet werden. Bei grippaler Symptomatik mit Fieber, Husten, Atembeschwerden nach einem Aufenthalt in China oder nach Kontakt mit Reisenden aus China und betroffenen Regionen sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, wobei die Übertragung der Infektion durch Mundschutz vermieden werden sollte.

Stand: 28. Januar 2020