Tollwut

Tollwut (Rabies, Lyssa) wird durch verschiedene Lyssaviren verursacht und ist bis auf einige Inseln eine weltweit verbreitete Zoonose. Man unterscheidet die terrestrische Tollwut, deren Hauptüberträger der Hund ist. Infektionen können jedoch auch durch eine Vielzahl anderer Säugetiere wie Waschbären, Füchse, Katzen, Schakale, Kojoten oder Affen übertragen werden. Neben der terrestrischen Tollwut gibt es die Fledermaustollwut. Gefährlich hierbei sind vor allem die blutsaugenden Fledermäuse, die auf dem gesamten amerikanischen Kontinent vorkommen. Die Übertragung der Tollwutviren erfolgt durch den Biss des Tieres, auch durch kleinste Bissverletzungen oder Kratzwunden, oder durch den Kontakt mit dem infizierten Speichel des Tieres auf intakter Schleimhaut oder verletzter Haut. Auch der Besuch von Höhlen, die von Fledermäusen bewohnt werden, kann zur Übertragung der Fledermaustollwut, in diesem Fall über die Atemluft, führen.
In Deutschland konnte die terrestrische Tollwut ausgerottet werden; Fledermaustollwut gibt es jedoch nach wie vor, allerdings keine blutsaugenden Fledermäuse.

Krankheitsbild

Nach einer Inkubation von 3-8 Wochen, die auch deutlich kürzer (9 Tage) und wesentlich länger (bis zu mehreren Jahren) sein kann, kommt es zum Ausbruch der Erkrankung, die in mehreren Stadien verläuft.
Nach uncharakteristischen Beschwerden mit Missempfindungen (Paraesthesien) an der Bissstelle, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit kommt es zu neurologischen Symptomen, entweder in Form einer Enzephalitis (Gehirnentzündung) oder in Form einer Lähmung. Bei der enzephalitischen Form (ca. 70%) leidet der Betroffene unter starker Unruhe, Angstzuständen, ausgeprägter Abneigung gegen Wasser (Hydrophobie), Krämpfen der Schluckmuskulatur u.s.w. Bei der paralytischen Form (ca. 30%) kommt es zu Lähmungen vor allem der Hirnnerven, Koma und Versagen zahlreicher Organe. Die Erkrankung verläuft in der Regel tödlich.
Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich.

Prophylaxe

Zur Vorbeugung gegen Tollwut gibt es eine Impfung mit sehr wirksamen Gewebekulturimpfstoffen, die im Vergleich zu früheren Impfstoffen gut verträglich sind. Diese Reiseimpfung wird vorbeugend vor der Reise, aber auch in Kombination mit menschlichem Tollwut-Immunglobulin unmittelbar nach der Infektion zur Vermeidung der Tollwut angewandt und erfordert mehrere Impfungen.
In vielen Reiseländern sind diese Impfstoffe nicht verfügbar. Je nach Art der Reise sollte daher rechtzeitig vor der Reise eine reisemedizinische Beratung in Anspruch genommen werden.

Grundsätzlich sollten Tierkontakte gemieden und Tiere weder gestreichelt noch gefüttert werden. Sollte dennoch eine Verletzung durch ein Tier erfolgen, so ist als Erste Hilfe die Wunde gründlich mit alkalischer Seife auszuwaschen. Ein Stück alkalische Seife gehört daher insbesondere in die Reiseapotheke der Backpacker. Anschließend muss eine ärztliche Versorgung der Wunde erfolgen.

Diese Hinweise können auf keinen Fall den Rat eines Arztes ersetzen.
Nehmen Sie daher rechtzeitig vor Ihrer Reise eine reisemedizinische Beratung in Anspruch.

Quelle: WHO, RKI